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Das SAMR Modell

Page history last edited by Donald Townsend 4 years, 11 months ago

Einleitung

Das SAMR Modell bietet Lehrerinnen und Lehrern eine Möglichkeit, das eigene unterrichtliche Handeln in Bezug auf die Nutzung von digitalen Werkzeugen zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Es ist dabei jedoch nicht unbedingt als ein Stufenmodell zu verstehen, in dem Sinne, dass man sich als unterrichtende Person von einer zur nächsten Stufe weiter entwickelt und dabei die vorherigen Stufen hinter sich lässt. Vielmehr verdeutlicht dieses Modell, wie Lehrerinnen und Lehrer ihre eigenen Kompetenzen bei der Nutzung digitaler Technologien zur Entwicklung ihres Unterrichts erweitern können. Die vier Stufen des Modells ergänzen sich von daher und stellen gleichberechtigte Möglichkeiten dar, die je nach Unterrichtssituation und Medienkompetenz der Lernenden zur Anwendung kommen können. Jede Stufe bedeutet für den Unterricht auch eine Erweiterung der Medienkompetenz sowohl auf Seiten der Unterrichtenden als auf Seiten der Lernenden, bzw. setzt diese voraus. Am Ende stehen letztlich autonome Lernende, welche die Kompetenz besitzen, digitale Medien völlig selbstverständlich je nach Bedarf und wie es für sie am ehesten Sinn ergibt, für die Auseinandersetzung mit Aufgabenstellungen zu nutzen und diese so zu lösen. Zu betonen ist für das Verständnis von SAMR auch noch, dass es nicht um bestimmte Tools oder Apps geht, die einzelnen Stufen zugeordnet werden, sondern darum, wie diese unterrichtlich genutzt werden. Ein und das selbe Tool kann unter Umständen auf verschiedenen Stufen in anderer Form zum Einsatz kommen.

 

Das Modell

Entwickelt wurde das SAMR Modell von Dr. Ruben Puentedura schon 2006. Es umfasst vier Stufen, Substitution, Augmentation, Modification und Redefinition. Die ersten beiden werden dabei als eine Verbesserung kategorisiert und die letzten beiden als eine Transformation bzw. Umgestaltung. Die Trennung zwischen den verschiedenen Stufen ist nicht immer scharf. Manch einer würde die unten aufgeführten Beispiele vielleicht etwas anders zuordnen. Die Beispiele sollen nur eine Idee davon geben, was es bedeutet, dass eigene unterrichtliche Handeln mit digitalen Werkzeugen nach und nach zu erweitern.

 


 

Substitution/ Ersetzung

Digitale Werkzeuge lassen sich häufig ganz analog zu herkömmlichen Werkzeugen einsetzen. Das interaktive Whiteboard kann wie eine Kreidetafel genutzt werden, wenn man die zusätzlichen Funktionen zur Speicherung von Tafelbildern, zum Aufruf von Webseiten oder zur Steuerung des damit verbundenen Computers außer acht lässt. Ein Textverarbeitungsprogramm lässt sich auf dem einfachsten Niveau nutzen wie ein Schulheft. Dann ignoriert man zusätzliche Funktionen wie die Anzeige von Rechtschreibfehlern oder die Möglichkeit, digitale Bilder einzufügen. Auch ein Classroom Management System lässt sich in Übertragung klassischer Unterrichtsszenarien sehr traditionell nutzen. Die unterrichtende Person verteilt anstelle von Kopien auf Papier Dateien (Textverarbeitungsdateien, Tabellen, PDF, ) und Schülerinnen und Schüler geben diese nach der Bearbeitung digital wieder zurück. Eine Dokumentenkamera oder ein Tablet in Kombination mit einem Projektor kann im einfachsten Fall genutzt werden wie ein Episkop oder wie ein Overheadprojektor, nur mit dem Unterschied, dass es bei letzterem keine Folien braucht. Stattdessen legt man Bücher, Hefte oder ähnlich darunter. Eine Webplattform/App wie Padlet lässt sich als reines Lehrerwerkzeug nutzen. Der Unterrichtende nutzt es als eine Webseite, um Schülerinnen und Schülern Informationen zu bestimmten Unterrichtszeitinhalten zu vermitteln. Oder es wird genutzt, um beispielsweise auf Zuruf bei einem Brainstorming Ideen zu sammeln. QR-Codes werden in der Offlinefunktion genutzt, um Schülerinnen und Schülern Hinweise zur Aufgabenlösung oder im Rahmen der Selbstkontrolle das Ergebnis selbst zu geben. Das kann z.B. die Lösung selbst sein oder ein Hinweis, auf welcher Seite im Schulbuch eine Hilfe zu finden ist. In dieser Art und Weise genutzt, stellen digitale Werkzeuge lediglich eine Ersetzung analoger Werkzeuge dar. Die Funktion der analogen Werkzeuge wird eins zu eins ins Digitale übertragen.

 

Augmentation/ Erweiterung

Auf recht einfachen Niveau lässt sich die Nutzung vieler digitaler Werkzeuge funktional erweitern. Die Zoomfunktion eines interaktiven Whiteboards wird genutzt, um kleinere Inhalte, etwa einer Zeichnung, vergrößert und für alle besser erkennbar darzustellen. Tafelbilder, die im Unterricht erstellt wurden, werden auf dem interaktiven Whiteboard gespeichert und bei Bedarf in der folgenden Unterrichtsstunde erneut aufgerufen. In der Textverarbeitung wird beispielsweise die Rechtschreibkorrektur genutzt, Grafiken werden integriert und eine automatische Nummerierung wird verwendet, Links zu anderen Inhalten werden intergriert. Bei der Überarbeitung eines Textes werden Funktionen wie Löschen, Kopieren Ausschneiden und Einsetzen genutzt. Über das Tablet in Kombination mit einem Projektor werden in Erweiterung der Funktion beispielsweise Internetseiten aufgerufen und Videos abgespielt. Bei der Nutzung eines Classroom Managementsystems könnte eine funktionale Erweiterung darin bestehen, die Arbeitsergebnisse eines Schülers für die gesamte Lerngruppe sichtbar zu machen (in dem die Ansicht auf alle Schülergeräte projeziert wird oder über Darstellung über ein Projektor). Eine weitere funktionale Erweiterung könnte darin bestehen, differenziertes Arbeitsmaterial bereitzustellen, aus welchen die Lerner auswählen können. Haben Schülerinnen und Schüler über Endgeräte wie Smartphones, Tablets, Notebooks oder PCs Zugang zum Internet, können sie bei Padlet zum von der Gesamtklasse genutzten, über ein Projektor vorne angezeigten, Padlet beitragen. Jeder ergänzt das Padlet um seinen Beitrag, sei es ein kurzes Gedicht (Haiku, Elfchen, ...), die Erklärung einer Vokabel oder ein Bild zu einem Thema. Wenn im Klassenraum WLAN zur Verfügung steht, können QR-Code genutzt werden, um Arbeitsblätter herunterzuladen und digital zu bearbeiten oder um zu Hilfestellungen und Erklärungen im Internet zu verlinken

 

Modification/ Veränderung

Mit dieser Stufe bewegt sich die Nutzung digitaler Technologien zur Gestaltung von Unterricht noch deutlicher von der analogen Welt weg. Es kommen funktionale Elemente hinzu, welche für die Gestaltung des Unterrichts selbst und die Gestaltung von Aufgaben für Schüler neue Dimensionen hinzufügen. Tafelbilder, welche über ein interaktives Whiteboard aufgezeichnet wurden, werden nicht bloß im Unterricht erneut aufgerufen, sondern den Schülerinnen und Schülern online innerhalb einer Lernplattform oder über ein begleitendes Blog des Lehrers zur Verfügung gestellt. Dort können sie dann von Schülerinnen und Schülern  über eine Kommentarfunktion um weitere Informationen ergänzt oder mit Nachfragen oder kritischen Kommentaren versehen werden. Die Textverarbeitung wird beispielsweise online genutzt mit der Möglichkeit von Kommentaren im Randbereich oder den kollaborativen Funktionen, um einen Inhalt gemeinsam zu erstellen. In einem Classroom Management System nutzen Lehrende die Funktionen des Systems zum individuellen und zeitnahen Feedback, Schülerinnen und Schüler nutzen es, um nicht nur vom Lehrenden verteilte Materialien bearbeitet zurückzugeben, sondern auch um eigene, individuell erstellte Materialien einzureichen. Sie nutzen es außerdem, um sich mit Mitschülern im Rahmen der Aufgabenstellung auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Padlet könnte auf dieser Stufe beispielsweise im Rahmen einer Gruppenarbeit kollaborativ genutzt werden, um die Ergebnisse einer Gruppenarbeit zu dokumentieren. Alle Mitglieder der jeweiligen Gruppe greifen gleichzeitig auf ihr Padlet zu und füllen es mit Inhalten (Texte, Bilder, eingebundene Videos, Links, … ). Schüler erstellen eigene QR-Code, etwa um auf das Ergebnis einer Arbeit in Form eines Padlet zu verweisen und kleben diesen QR-Code in der Arbeitsheft. QR-Codes werden von Unterrichtenden mit einem App wie Biparcours oder Actionbound genutzt, um einen interaktiven Parcours zu gestalten

 

 

Redefinition/ Neudefinierung

Auf der zweiten Stufe der Kategorie Umwandlung werden nun Möglichkeiten digitaler Technologien genutzt, welche die Grenzen bisheriger analoger Möglichkeiten komplett überschreiten, sowohl was die Gestaltung des Unterrichts angeht, wie auch die Art und Weise, wie Lernende Aufgabenstellungen bearbeiten. Beim Einsatz des interaktiven Whiteboards zeichnet der Unterrichtende die Entwicklung eines Tafelbildes oder eine Erklärung über eine Aufnahmefunktion auf und stellt sie den Schülerinnen und Schülern später online zur Nachbereitung und Vertiefung des Unterrichtsinhaltes Verfügung. Denkbar wäre auch, dass der Unterrichtende eine Aufnahme aus einem anderen Kurs oder anderen Jahr nimmt und diese seiner Lerngruppe vorab im Sinne von Flipped Classroom mit Arbeitsaufträge zur Vorbereitung eine Unterrichtstunde zur Verfügung stellt. Bei einer Aufgabenstellung, welche Schülerinnen und Schüler bisher eher mit einer Textverarbeitung bearbeitet hätten, haben sie nun die Freiheit, auch andere digitale Möglichkeiten zu nutzen. So könnten sie beispielsweise die Texte, welche sie erstellen, um Audiomaterial, welches sie aufnehmen und als Audiodatei abspeichern, ergänzen. Den Text veröffentlichen sie innerhalb eines Lernmanagementsystems, auf einer Webseite, in einem Blog oder ähnlich und stellen dort auch die Audioaufnahmen ergänzend zur Verfügung. Wäre in einem Spanischkurs beispielsweise die Aufgabe, eine Telenovela zu schreiben, so könnten Schüler dieses dann damit verbinden, mithilfe von Smartphones Szenen der Telenovela filmisch umzusetzen. Die Produkte könnten dann im nächsten Schritt das Ausgangsmaterial für eine weitere unterrichtliche Auseinandersetzung sein. Ein Classroom Management System könnte von Seiten der Schüler genutzt werden, um ein digitales Portfolio, also eine Sammlung und Dokumentation ihrer Unterrichtsarbeit in digitaler Form zu erstellen. Von Seiten der Unterrichtenden könnten zusätzliche Funktionen (wenn datenschutzrechtlich abgeklärt) genutzt werden, um Eltern Einblicke in das Unterrichtsgeschehen zu geben und sie an den Unterrichtsergebnissen teilhaben zu lassen, aber auch um Ihnen die Möglichkeit zu geben, sich aktiv über Kommentare und Anregungen einzubringen. Bei einer Aufgabenstellung, welche Padlet als Plattform nutzt, könnten bei einer Arbeit im Team zusätzlich zu den oben beschriebenen Inhalten auch noch selbst erstellte Videos, Fotos, Audiodateien, Präsentation und Ähnliches mit integriert werden, um die Auseinandersetzung mit einem Inhalt zu gestalten und zu dokumentieren. Schülerinnen und Schüler nutzen QR-Codes bei der Erstellung eines Parcours für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler.

 

Was bedeutet das für die eigene Unterrichtsentwicklung?

Am leichtesten fällt es in der Regel, an Bekanntes anzuknüpfen. Deswegen ist es eine gute Idee, klein anzufangen (siehe auch Wie fange ich an?). Es macht Sinn, erst einmal Analoges eins zu eins in die Unterrichtsgestaltung mit digitalen Möglichkeiten zu übertragen. Damit gewinnt man zunächst Übung im Umgang mit digitalen Werkzeugen und baut damit ein Vertrauen in die eigenen Kompetenzen auf (siehe dazu auch SAMR Modell und Weiterbildung für Lehrpersonen). Wenn man sich sicher genug fühlt, geht man einen Schritt weiter. Man gibt dabei auch zunehmend Verantwortung an die Schülerinnen und Schüler ab.

 

Wo sind die Grenzen des SAMR Modells?

Das SAMR Modell hat durchaus Nutzen, da es Lehrkräften verdeutlichen kann, wie sie ihren Technikeinsatz im Unterricht weiterentwickeln können, um Beschränkungen herkömmlichen Unterrichtens zu überwinden. Da das Modell jedoch den Fokus auf die Lehrenden legt, hat es auch genau hier seine Grenzen. Im Gegensatz dazu liegt der Schwerpunkt beim 4K Modell auf den Lernenden, um die es in Schule primär geht. Die 4K funktionieren am besten, wenn Lernende eine größere Autonomie erhalten, ihre Lernprozesse zu gestalten. Das geht, wenn man auf das SAMR Modell schaut, am besten, wenn Lehrer digitale Technologie so einsetzen, dass Lernende dabei einen großen Freiheitsgrad in der Auseinandersetzung mit einer Problemstellung erhalten und das wäre bei der Redefinition am ehesten der Fall.

 

Weitere Lektüren:

* Das SAMR Modell, Übersetzung der wichtigsten Begriffe ins Deutsche, Uni Paderborn, 2016

* SAMR Model, kurze Übersicht in englischer Sprache

* Präsentation zum SAMR Modell (als PDF) von Dr Ruben Puentedura mit Erklärung und Beispielen

* ... digitale Kompetenzentwicklung mit dem SAMR-Modell (PDF Downloadlink), Zentrum für lernende Schulen, Österreich, 2016

Lernen mit Mehrwert – Das SAMR Model, kurze Zusammenfassung, Villa Wewerbusch, 2015

SAMR Modell und Weiterbildung für Lehrpersonen, betrachtet im Zusammenhang mit der Professionalisierung von Lehrenden, Blogpost aus der Schweiz, 2016

Ohne gute Lehrer hilft das beste Tablet nichts, Wirtschaftswoche, 05/2017

* LearningSnack zum Thema SAMR von M. Heusinger, hilft noch einmal zu rekapitulieren, worum es geht bei dem Modell

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